Starke Frauen, die sich was trauen: Mut machen und anspornen

Talk-Runde mit Vertreterinnen aus Politik und Wirtschaft

10.10.2018 | Bad Reichenhall

Offene und ehrliche Worte von Powerfrauen gab es bei der ersten "Ladies Lounge" des CSU Kreisverbands Berchtesgadener Land. Unter dem Motto "Starke Frauen für Bayern" gaben Staatsministerin Michaela Kaniber, Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel, IHK-Kreisvorsitzende Irene Wagner und die Gastronomin Theresa Albrecht Einblick in Erfahrungen, Beweggründe und Tipps, wie man den Spagat zwischen Familie und Beruf meistert.  

Mut machen und anspornen – darum ging der Stimmkreisabgeordneten, Staatsministerin Michaela Kaniber: Gemeinsam mit weiteren erfolgreichen Frauen aus der Politik und Wirtschaft erzählte sie den Zuhörerinnen von ihrem Werdegang und Erfahrungen in der oft von Männern dominierten Politik. Und so zollte sie ihren Respekt zuerst der Hand voll Männer, die ebenfalls zuhörten. „Klasse, dass ihr euch getraut habt zu kommen. Vielleicht wisst ihr jetzt, wie es sich für uns Frauen anfühlt, wenn wir in der Politik unter ganz vielen Männern sind. Aber das macht uns nichts aus, weil wir uns was trauen.“

Kaniber traute sich: Vor zehn Jahren stieg die gelernte Steuerfachangestellte als Quereinsteigerin in die Politik ein, als sie sich im Gemeinderat ihrer Heimatgemeinde Bayerisch Gmain für den Bau eines Lebensmittelladens einsetzte. „Wenn man für etwas kämpft und Erfolg hat, dann überlegt man automatisch: Was könnte ich noch bewegen?“ Kaniber wurde für die CSU in den Kreistag und in den Bayerischen Landtag gewählt und im April als Landwirtschaftsministerin ins Kabinett berufen. Jedes Mandat bringe großartige Möglichkeiten, so die Politikern. Der Grund, warum viele Frauen auf politisches oder ehrenamtliches Engagement verzichten, sei die Zeit, die dafür nötig ist. „Ich habe drei Kinder, für die ich auch da sein möchte. Das ist mit so einem Job anstrengend, das gebe ich zu. Aber manche Frauen boxen sich durch, Tanja und ich gehören dazu."
 
Mit Tanja Schorer-Dremel gesellte sich eine Landtagskollegin Kanibers zur Runde. Die Grundschulleiterin aus dem Landkreis Eichstätt kam wie Michaela Kaniber vor fünf Jahren in den Landtag. Gemeinsam unterstütze man sich und helfe einander. Schließlich sitze man gewissermaßen im selben Boot, hat die gleichen Herausforderungen zu meistern und den Willen, etwas zu bewegen. Schorer-Dremel machte den Zuhörerinnen Mut: „Die Belastung ist hoch, wenn man Kinder, Familie und so einen herausfordernden Job in der Landespolitik hat. Aber im Endeffekt ist immer ein Lohn dabei, weil einem die Menschen so viel zurückgeben.“ Es gebe stets jemanden, der einem Wertschätzung entgegenbringt. „Dass Michaela in ihrer ersten Legislaturperiode ins Kabinett berufen wurde, ist die Wertschätzung gegenüber ihrer Arbeit.“
 
Wenn man als Frau Leidenschaft und Begeisterung mitbringt, stehen einem alle Türen offen: Irene Wagner ist das beste Beispiel. Die Unternehmerin leitet den Automobilzulieferer PSM Protec mit 240 Mitarbeitern, sie ist außerdem IHK-Vorsitzende im Berchtesgadener Land. „In einer Führungsposition muss man Kompetenz haben und in der Lage sein, Macht ausüben zu können, um Dinge umsetzen zu können.“ Anders als viele andere Frauen, habe sie in ihrer Karriere nie gezögert, wenn ihr Positionen angeboten wurden. „Ich war schon immer jemand, der gerne selbst gestaltet. Mir macht mein Beruf großen Spaß, das ist die wichtigste Voraussetzung.“
 
Fachwissen gehört natürlich dazu. Frauen sind darüber hinaus mit anderen Herausforderungen konfrontiert als Männer. Sie stehen generell mehr unter Beobachtung, so Theresa Albrecht. „Eine Frau steht immer im Mittelpunkt – aber nicht immer im Positiven“, so die stellvertretende Vorsitzende des DEHOGA Rosenheim. „Die Gesellschaft verlangt von einer Frau, dass sie gut aussieht, sich gut kleidet, Kinder hat und Karriere und Familie perfekt auf die Reihe bekommt. Aber das geht nicht.“ Albrecht empfahl den Zuhörerinnen, sich gut zu organisieren aber bewusst Abstriche zu machen. „Man muss nicht immer hundert Prozent geben. Es reichen auch 95 oder 90 Prozent, dann ist man immer noch besser als andere.“
 
„Man wird automatisch effektiv, wenn man wenig Zeit hat“, berichtete Tanja Schorer-Dremel. Das Wichtigste seien trotz Beruf und aller Ehrenämter immer ihre Kinder gewesen: „Und dann ist die Qualität der Zeit entscheidend und nicht die Quantität.“ Alles in der Familie absprechen ist die Devise im Hause Kaniber. „Mein Mann und meine drei Töchter unterstützen mich. Nur so kann es funktionieren.“ Kaniber gestand, dass ihr der Spagat dennoch schwer fällt. „Man ist zwar dank Handy immer mit der Familie verbunden. Aber man kann nicht bei allen Ereignissen dabei sein. Ein Mutterherz zerreißt es da schon. Männer tun sich da leichter.“ Trotzdem ist es so, dass Frauen diese Gratwanderung hinbekommen. „Weil Frauen anders kämpfen. Sie haben einen ganz anderen Druck“, so Kaniber. Deswegen sei sie in der CSU aktiv, weil sie Dinge möglich machen statt verhindern wolle. „Man braucht Disziplin und hat wenig Schlaf, aber das ist es wert.“