Kuratorium für alpine Sicherheit erhält eine finanzielle Basis

Alpin-Symposium zur Förderung der Unfallprävention geplant

18.12.2017 | München
Das Kuratorium für alpine Sicherheit besteht aus Experten des alpinen Bereichs und den bayerischen Justiz-, Innen- und Kultusministerien: (von links) Norbert Höflacher (DSV), Dr. Christoph Ebert (Kompetenzzentrum Sport, Gesundheit und Technologie), Peter
Das Kuratorium für alpine Sicherheit besteht aus Experten des alpinen Bereichs und den bayerischen Justiz-, Innen- und Kultusministerien: (von links) Norbert Höflacher (DSV), Dr. Christoph Ebert (Kompetenzzentrum Sport, Gesundheit und Technologie), Peter

Die Sicherheit der Menschen auf den bayerischen Bergen verbessern: Das ist das erklärte Ziel des Kuratoriums für alpine Sicherheit. Dem Gremium gehören Experten aus dem alpinen Bereich an, von der Bergwacht, dem Skilehrerverband und dem Alpenverein, bis hin zu Polizeibergführern. „Es besteht dringender Hand-lungsbedarf“, so Michaela Kaniber. „Die Zahl der Bergsportler steigt stetig an und damit auch das Gefahrenpotential. Wir müssen gemeinsam etwas dagegen unter-nehmen.“ Die CSU-Stimmkreisabgeordnete aus dem Berchtesgadener Land hatte im vorigen Jahr den Vorsitz des Kuratoriums übernommen und erfolgreich gehandelt. 

Jedes Jahr passieren 60 bis 80 tödliche Unfälle in den bayerischen Bergen. Die Ursachen sind oftmals auf Unerfahrenheit und Fehleinschätzung der eigenen Fitness zurückzuführen. „Jeder Unfall im Bergsport ist einer zu viel. Und jeder Unfall ist vermeidbar. Deswegen ist die Arbeit des Kuratoriums von größter Bedeutung“, betont Kaniber. Das ist auch der Grund, warum sich die Vorsitzende mit Nachdruck für eine tragfähige finanzielle Basis eingesetzt hat.

Kaniber erreichte nun bei Innenminister Joachim Hermann und Finanzminister Markus Söder die nötigen Mittel: Für das kommende Haushaltsjahr stellen beide Ministerien insgesamt 50.000 Euro zur Verfügung. „Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, dieses Gremium neu auszurichten. Jetzt kann das Kuratorium Fahrt aufnehmen“, begrüßt die Abgeordnete die Entscheidung. „Ein ehrenamtlicher Verein kann ohne finanzielle Mittel kaum etwas voran bringen. Dies ist aber von größter Bedeutung, um ordentliche Arbeit leisten zu können – vor allem, damit sich die Verbände wiederfinden. Wir wollen die Schirmfunktion aller bayerischen Bergsportverbände bilden und ihnen ein guter Partner sein.“

Um in der Unfallprävention verstärkt tätig werden zu können, gilt es zunächst einmal herauszufinden, bei welchen Aktivitäten in den Bergen die Gefahren am größten sind. Einige Organisationen und Verbände führen bereits erfolgreiche Unfallforschung und -prävention durch. Gesamtzahlen lassen sich bislang aber nur schätzen. Hier will das Kuratorium Verbindungen schaffen und Lücken schließen. „Eine Erfassung des gesamten Unfallgeschehens und eine ausführliche Analyse mit aussagekräftigen Statistiken sind nur durch ein Netzwerk mit entsprechender Struktur und Zielsetzung möglich“, so Michaela Kaniber. Das Kuratorium werde dazu die Unfallzahlen der Polizei, des Skiverbands, der Bergwacht und des Alpenvereins bündeln. Kuratoriums-Mitglied Wolfgang Spindler vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr befindet sich dazu im Austausch mit dem österreichischen Kuratorium für alpine Sicherheit, das bereits eine ähnliche Datensammlung führt. „Wir werden mit den größten Verbänden beginnen“, so Spindler. „Ziel ist die Bündelung aller Daten von sämtlichen Verbänden und Institutionen in Bayern, die dann mit den österreichischen Daten verknüpft werden.“

Bei der Jahresversammlung des Kuratoriums stand das schon mehrfach durchgeführte Alpin-Symposium im Mittelpunkt. Das Kuratorium wird die Veranstaltung in der zweiten Jahreshälfte 2018 durchführen, um Fachverbänden das Netzwerken zu ermöglichen und Kernpunkte der Unfallprävention herauszufiltern. Ein Schwerpunkt des Symposiums steht jetzt schon fest: „E-Bikes sind ein absoluter Trend, die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende“, so Kuratoriumsmitglied Stefan Winter vom DAV. „Dadurch halten sich immer mehr unerfahrene Bike Sportler in alpinen Gelände auf.“

Zusammen mit dem österreichischen Kuratorium ist angedacht, eine gemeinsame Notfall-App (SOS-ALPIN) einzuführen. Mit eingeschlossen werden sollen Südtirol und weitere Alpenregionen. Der Landeshauptmann von Tirol, Günther Platter, übernimmt ab Januar 2018 den EU-Vorsitz der Alpenregionen und möchte das Projekt persönlich auf den Weg bringen. „Bayern beteiligt sich gerne an einer grenzüberschreitenden Einführung, da die Notwendigkeit dafür durchaus gesehen wird“, so Michaela Kaniber. „Diese App wird die Sicherheit im alpinen Gelände erhöhen und auch die Arbeit der Rettungskräfte erleichtern.“